Hydroponik ist kein „einpflanzen und vergessen“, aber auch keine Wissenschaft. Die Routine besteht aus wenigen Handgriffen, die immer in derselben Reihenfolge kommen. Das hier ist der Jahresplan für einen Turm mit 32 Pflanzplätzen und 40- oder 50-Liter-Tank — mit Zahlen statt Allgemeinplätzen.
Wöchentlich: Füllstand, EC und pH
Pflanzen ziehen Wasser schneller aus dem Tank als Nährstoffe. Im Juli verliert ein Turm mit 20 ausgewachsenen Salaten 4–8 Liter pro Tag — ein 40-L-Tank ist damit in drei Tagen halb leer. Im April oder Oktober sind es beim selben Turm 1,5–3 L täglich. Der größere 50-L-Tank kauft dir in der Praxis etwa zwei Tage mehr zwischen zwei Nachfüllungen; nicht mehr und nicht weniger.
- Füllstand: nie unter den Punkt, an dem die Pumpe noch vollständig unter Wasser steht. Eine Sicce-Pumpe nimmt trocken laufend in Minuten Schaden, nicht in Stunden — Rotor und Lager gehen zuerst.
- Fülle mit abgestandenem Wasser auf Raumtemperatur nach. 10 °C Unterschied zu kaltem Leitungswasser sind für die Wurzel ein echter Schock.
- Miss den EC vor dem Nachfüllen, nicht danach. Liegt er mehr als 0,3 mS/cm über dem Zielwert, füllst du nur Wasser nach, ohne Dünger.
- Den pH zweimal pro Woche prüfen. Salat und Kräuter mögen 5,5–6,5; korrigiert wird erst, wenn der Wert den Bereich 5,2–6,8 verlässt.
- Schau nach, ob die oberste Reihe tropft. Tut sie es nicht, sitzt der Pumpenfilter zu — das lässt man nicht bis nächste Woche liegen.
Alle 2–3 Wochen: die komplette Lösung raus
Beim Nachfüllen werden die Makronährstoffe verbraucht, aber Salze, die die Pflanze kaum aufnimmt — Natrium, Chloride, Sulfate, Kalzium aus hartem Wasser — bleiben zurück und reichern sich an. Der EC zeigt weiterhin 1,4, nur ist das nicht mehr dieselbe Zusammensetzung wie am ersten Tag. Deshalb: Komplettwechsel alle 2–3 Wochen, bei Hitze über 25 °C alle 10–14 Tage.
- Pumpe aus, Lösung ablassen. Sie ist prima für Pflanzen in Erde — nur nicht jedes Mal in denselben Topf.
- Wände mit weicher Bürste abwischen, solange sie noch nass sind; ein eingetrockneter Film geht dreimal schwerer ab.
- Mit klarem Wasser füllen, dann Nährstoffe, dann messen. Nie in umgekehrter Reihenfolge.
- Datum notieren, mit Marker auf den Tank oder ins Handy. Ohne Datum werden aus „alle zwei Wochen“ sehr schnell fünf.
Monatlich: Pumpe und Durchfluss
Die Pumpe ist das einzige bewegliche Teil im System und das einzige, das wirklich kaputtgeht. Die Reinigung dauert zehn Minuten und verlängert ihre Lebensdauer von etwa einem Jahr auf drei bis fünf.
- Pumpe herausnehmen, Frontdeckel öffnen, Rotor (Magnet mit Flügeln) herausziehen.
- Rotor und Gehäuse 20–30 Minuten in 1:3 verdünnten Essig legen. Das löst den Kalk, der in weiten Teilen Kroatiens und Deutschlands mit 15–25 °dH aus der Leitung kommt.
- Schleim und abgebrochene Wurzelreste mit einer alten Zahnbürste entfernen. Kein Spülmittel und auf keinen Fall in die Spülmaschine.
- Zweimal mit klarem Wasser spülen, bevor sie zurück ins System kommt.
- Kabel kontrollieren: nicht vom Deckel gequetscht, nirgends scharf geknickt.
Zwischen zwei Kulturen: Tiefenreinigung
Wenn der letzte Salat raus ist, bleiben abgerissene Wurzelstücke, Algensporen und ein Biofilm in den Leitungen zurück. Ein neuer Setzling startet in diesem Wasser mit Handicap. Rechne mit 45–60 Minuten, einmal pro Satz — bei Blattgemüse also etwa alle 6–8 Wochen.
- Alle Netztöpfe und Wurzelreste entfernen; sie sind die größte Fäulnisquelle.
- System mit 3 % Wasserstoffperoxid spülen, 100 ml auf 10 L, 20–30 Minuten zirkulieren lassen.
- Ablassen und zweimal mit klarem Wasser nachspülen — diese Konzentration verträgt ein junger Setzling nicht.
- Netztöpfe und Kappen in derselben Lösung einweichen, abspülen und in der Sonne trocknen lassen.
- Den Turm 24 Stunden leer und trocken stehen lassen, bevor neu gepflanzt wird.
Blähton lässt sich auskochen und wiederverwenden. Steinwolle und Anzuchtschwämme sind Einweg — in ihnen bleibt alles, was die alte Wurzel hinterlassen hat. Details stehen unter Substrate.
Herbst und Winter: Eis ist gefährlicher als UV
Das PETG, aus dem der Turm gedruckt ist, hält Außenbedingungen deutlich besser aus als PLA. UV verändert über die Jahre Glanz und Farbton, die Struktur trägt aber über mehrere Saisons. Was ihn wirklich sprengen kann, ist Eis: Wasser dehnt sich beim Gefrieren um rund 9 % aus, und dieser Druck geht direkt in Wand und Verbindungen. Deshalb wird der Turm nicht nach Datum eingemottet, sondern nach Wettervorhersage.
- Sobald die Nachttemperaturen unter +3 °C fallen — in Mitteleuropa meist in der ersten Novemberhälfte — geht das System außer Betrieb.
- Tank und Leitungen restlos leeren. Den Turm kippen, damit auch das Restwasser aus den Bögen läuft; genau dort reißt das Eis am häufigsten.
- Pumpe waschen, trocknen und bei +5 °C oder wärmer lagern. Kabel weit aufwickeln, keine scharfen Knicke.
- Kappen auf den Pflanzplätzen lassen, damit kein Wasser und kein Laub hineinkommt.
- Bleibt der Turm draußen, stell ihn windgeschützt an eine Wand und schräg, damit Regen nicht darin stehen bleibt.
Die Alternative ist der Winterbetrieb drinnen. Mit LED-Beleuchtung läuft der Turm auch im Januar, er braucht dann nur Licht, das die Sonne durchs Fenster nicht liefert — dazu mehr unter Beleuchtung.
Die Checkliste auf einen Blick
| Rhythmus | Was du tust | Dauer | Was du brauchst |
|---|---|---|---|
| Alle 2–3 Tage (Sommer) | Füllstand prüfen, bis zur Marke auffüllen | 2 Min. | Kanister mit abgestandenem Wasser |
| Wöchentlich | EC und pH messen und korrigieren | 5 Min. | EC/pH-Meter, pH-Minus |
| Wöchentlich | Prüfen, ob die oberste Reihe tropft | 1 Min. | — |
| Alle 2–3 Wochen | Komplette Lösung wechseln | 20–30 Min. | Schlauch, Eimer, Dünger |
| Monatlich | Pumpe zerlegen und reinigen | 10 Min. | Essig 1:3, alte Zahnbürste |
| Monatlich | Tankwände auswischen | 10 Min. | Weiche Bürste |
| Zwischen Kulturen | Tiefenreinigung mit Peroxid | 45–60 Min. | 3 % H₂O₂, Bürste |
| Herbst, nachts unter +3 °C | Alles entleeren, Pumpe frostfrei | 30 Min. | Eimer, Tuch |
| Frühjahr | 30 Min. Probelauf vor dem Bepflanzen | 15 Min. | Klares Wasser |
Übers Jahr summiert sind das rund 12–15 Arbeitsstunden. Weniger als ein Beet derselben Fläche und ganz ohne Unkraut jäten — aber eben nicht null, und so sollte man es vor dem Kauf auch rechnen.
