EC steht für elektrische Leitfähigkeit (electrical conductivity). Destilliertes Wasser leitet praktisch keinen Strom; leitfähig sind erst die gelösten Ionen — Kalium, Calcium, Nitrat, Sulfat, Magnesium. Das Messgerät schickt einen schwachen Strom zwischen zwei Elektroden und rechnet aus dem Widerstand aus, wie viele Ionen im Wasser sind. Mehr Salz, mehr Leitfähigkeit. Mehr macht das Gerät nicht.
Was der EC-Wert sagt — und was nicht
EC ist eine Summe, keine Liste. Eine Lösung mit EC 1,4 kann eine perfekt ausbalancierte Nährlösung sein — oder Leitungswasser voller Natrium und Hydrogencarbonat, ohne ein Gramm Stickstoff. Das Gerät zeigt dieselbe Zahl. Nimm den EC deshalb als Maß für die Stärke der Lösung, niemals als Mangeldiagnose.
- Der EC sagt dir: wie stark die Lösung ist, ob Wasser verdunstet ist, ob du überdosiert hast, ob der Verbrauch nachgelassen hat.
- Der EC sagt dir nicht: ob Eisen fehlt, wie viel Stickstoff noch da ist, wie das Verhältnis von Calcium zu Kalium aussieht, wie hoch der pH-Wert ist.
Einheiten: µS/cm, mS/cm und das ppm-Durcheinander
Die Grundeinheit ist Siemens pro Zentimeter. In der Hydroponik laufen zwei Größen um: 1 mS/cm = 1000 µS/cm. Wer „EC 1,4“ sagt, meint 1,4 mS/cm, also 1400 µS/cm. Kritisch wird es bei günstigen TDS-Metern, die ppm anzeigen — ppm ist kein Messwert, sondern eine Umrechnung, und dafür existieren drei verschiedene Faktoren.
| EC (mS/cm) | µS/cm | ppm Skala 500 | ppm Skala 640 | ppm Skala 700 |
|---|---|---|---|---|
| 0,8 | 800 | 400 | 512 | 560 |
| 1,2 | 1200 | 600 | 768 | 840 |
| 1,6 | 1600 | 800 | 1024 | 1120 |
| 2,0 | 2000 | 1000 | 1280 | 1400 |
| 2,4 | 2400 | 1200 | 1536 | 1680 |
Die zweite Falle ist die Temperatur. Die Leitfähigkeit steigt um rund 2 % je Grad Celsius. Geräte mit ATC rechnen automatisch auf die Referenz von 25 °C zurück; ohne ATC zeigt dieselbe Lösung bei 15 °C etwa 18 % zu wenig an. Miss deshalb im Tank und nicht im Becher, der zehn Minuten in der Sonne stand.
Zielwerte nach Kultur und Phase
| Kultur | Keimling / Jungpflanze | Wachstum | Frucht / Ernte |
|---|---|---|---|
| Salat, Feldsalat | 0,4–0,8 | 0,8–1,2 | 1,2–1,4 |
| Rucola, Spinat, Mangold | 0,6–0,8 | 1,2–1,6 | 1,6–1,8 |
| Basilikum, Petersilie, Koriander | 0,6–0,8 | 1,0–1,6 | 1,4–1,8 |
| Pak Choi, Grünkohl | 0,6–0,8 | 1,2–1,8 | 1,8–2,0 |
| Erdbeere | 0,8–1,0 | 1,2–1,6 | 1,6–2,0 |
| Tomate | 0,8–1,2 | 1,8–2,2 | 2,2–2,6 |
| Paprika, Chili | 0,8–1,2 | 1,6–2,0 | 2,0–2,5 |
| Gurke | 0,8–1,2 | 1,5–1,8 | 1,8–2,2 |
Im vertikalen Turm teilen sich alle Pflanzen denselben Tank, also gilt: plane nach der empfindlichsten Kultur. Salat bei 1,0 und Tomate bei 2,4 gehören nicht in denselben Behälter — der Salat bekommt braune Blattränder, lange bevor die Tomate in Fahrt kommt. Wenn du doch mischst, bleib bei 1,4–1,6 und akzeptiere, dass niemand im Optimum steht.
Bei Hitze über 28 °C senke den Ziel-EC um 0,2–0,4. Die Pflanze trinkt dann viel Wasser, die Salze bleiben zurück — in der Wurzelzone ist die Konzentration tatsächlich höher, als das Messgerät im Tank anzeigt.
Den EC des Leitungswassers mitrechnen
Miss zuerst das nackte Wasser, bevor du irgendetwas zugibst. In Deutschland und Österreich liegt Leitungswasser meist bei 0,3–0,8 mS/cm, in Kalkregionen auch darüber; Regen- und Osmosewasser liegen unter 0,05. Hat dein Wasser 0,5 und das Salatziel ist 1,2, darf der Dünger nur 0,7 beisteuern — du dosierst also weniger, als das Etikett sagt, denn das rechnet mit reinem Wasser.
- Miss den EC deines Leitungswassers und notiere ihn — er schwankt saisonal, prüfe ihn alle zwei bis drei Monate nach.
- Ziel-EC = EC des Wassers + Beitrag des Düngers. Niemals die volle Dosis „obendrauf“ auf hartes Wasser geben.
- Ab 0,8 mS/cm lohnt Mischen mit Regenwasser 50:50; ab 1,0 wird Hydroponik zäh, weil die Hälfte deines Spielraums von Calcium und Natrium belegt ist, das die Pflanze nicht braucht.
- Natrium wird nicht verbraucht. Es bleibt im Tank und macht mit jeder Nachfüllung einen größeren Anteil des gemessenen EC aus — ein weiteres Argument für den kompletten Wasserwechsel.
Details zu Härte, Chlor und Hydrogencarbonat findest du unter Wasserqualität.
Warum der EC im Tank von allein steigt
Das ist die häufigste Frage und der häufigste Fehler. Die Pflanze trinkt Wasser schneller, als sie Salze aufnimmt, und ein Teil verdunstet. Die Salzmenge bleibt gleich, das Wasser wird weniger — die Konzentration steigt. Ein steigender EC bedeutet: Wasser nachfüllen, nicht düngen.
Konkret: Ein 40-L-Tank auf EC 1,2 verliert in einer heißen Woche 10 L. Übrig bleiben 30 L mit derselben Salzmenge, der EC springt auf rund 1,6. Derselbe Verlust in einem 50-L-Tank ergibt 1,5, weil 10 L dort ein kleinerer Anteil sind. Ein größerer Tank spart also nicht nur Nachfüllen, er hält die Lösung auch ruhiger.
- Fülle mit reinem Wasser bis zur Markierung auf, rühre um und miss erst nach 15–30 Minuten.
- Ist der EC auch danach zu hoch, nimm 20–30 % der Lösung heraus und ersetze sie durch Wasser.
- Fällt der EC schnell (bewölkt, kühl, starkes Wachstum), zehrt die Pflanze an den Salzen — dann in Schritten von 0,1–0,2 nachdüngen, nie auf einmal.
- Kompletter Lösungswechsel alle 2–3 Wochen, auch wenn der EC unauffällig aussieht.
Ziel-EC, exakte Dosis und pH-Wert für 67 Pflanzen rechnest du im Nährstoff-Rechner aus: Pflanze, Wachstumsphase, Düngerserie und Tankgröße wählen. Betrachte EC und pH-Wert immer zusammen — ein hoher EC bei falschem pH heißt weiterhin, dass die Pflanze nicht aufnehmen kann, was du zugegeben hast.
