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EC-Wert: was du wirklich misst und welche Zielwerte gelten

Der EC-Wert misst die Gesamtmenge gelöster Salze, nicht deren Zusammensetzung. Wir erklären die Einheiten (µS/cm, mS/cm, ppm-Skalen 500/640/700), Zielwerte je Kultur und Phase und warum der EC im Tank von allein steigt.

Wasser & Nährstoffe7 Min.Autor: Stari Vuk
Kurz gesagt: Der EC-Wert misst, wie viel Salz insgesamt im Wasser gelöst ist — nicht welches. Für Blattgemüse im Turm liegt das Ziel bei 0,8–1,4 mS/cm, und der EC deines Leitungswassers zählt in diese Zahl mit hinein.

EC steht für elektrische Leitfähigkeit (electrical conductivity). Destilliertes Wasser leitet praktisch keinen Strom; leitfähig sind erst die gelösten Ionen — Kalium, Calcium, Nitrat, Sulfat, Magnesium. Das Messgerät schickt einen schwachen Strom zwischen zwei Elektroden und rechnet aus dem Widerstand aus, wie viele Ionen im Wasser sind. Mehr Salz, mehr Leitfähigkeit. Mehr macht das Gerät nicht.

Was der EC-Wert sagt — und was nicht

EC ist eine Summe, keine Liste. Eine Lösung mit EC 1,4 kann eine perfekt ausbalancierte Nährlösung sein — oder Leitungswasser voller Natrium und Hydrogencarbonat, ohne ein Gramm Stickstoff. Das Gerät zeigt dieselbe Zahl. Nimm den EC deshalb als Maß für die Stärke der Lösung, niemals als Mangeldiagnose.

  • Der EC sagt dir: wie stark die Lösung ist, ob Wasser verdunstet ist, ob du überdosiert hast, ob der Verbrauch nachgelassen hat.
  • Der EC sagt dir nicht: ob Eisen fehlt, wie viel Stickstoff noch da ist, wie das Verhältnis von Calcium zu Kalium aussieht, wie hoch der pH-Wert ist.

Einheiten: µS/cm, mS/cm und das ppm-Durcheinander

Die Grundeinheit ist Siemens pro Zentimeter. In der Hydroponik laufen zwei Größen um: 1 mS/cm = 1000 µS/cm. Wer „EC 1,4“ sagt, meint 1,4 mS/cm, also 1400 µS/cm. Kritisch wird es bei günstigen TDS-Metern, die ppm anzeigen — ppm ist kein Messwert, sondern eine Umrechnung, und dafür existieren drei verschiedene Faktoren.

EC (mS/cm)µS/cmppm Skala 500ppm Skala 640ppm Skala 700
0,8800400512560
1,21200600768840
1,6160080010241120
2,02000100012801400
2,42400120015361680
Ein Rezept, das nur „1000 ppm“ angibt, ist ohne Skala unbrauchbar: Das kann EC 2,0 (Skala 500) oder EC 1,43 (Skala 700) bedeuten — 40 % Unterschied. Wenn dein Gerät einen Umschalter hat, stell ihn auf mS/cm und vergiss ppm.

Die zweite Falle ist die Temperatur. Die Leitfähigkeit steigt um rund 2 % je Grad Celsius. Geräte mit ATC rechnen automatisch auf die Referenz von 25 °C zurück; ohne ATC zeigt dieselbe Lösung bei 15 °C etwa 18 % zu wenig an. Miss deshalb im Tank und nicht im Becher, der zehn Minuten in der Sonne stand.

Zielwerte nach Kultur und Phase

KulturKeimling / JungpflanzeWachstumFrucht / Ernte
Salat, Feldsalat0,4–0,80,8–1,21,2–1,4
Rucola, Spinat, Mangold0,6–0,81,2–1,61,6–1,8
Basilikum, Petersilie, Koriander0,6–0,81,0–1,61,4–1,8
Pak Choi, Grünkohl0,6–0,81,2–1,81,8–2,0
Erdbeere0,8–1,01,2–1,61,6–2,0
Tomate0,8–1,21,8–2,22,2–2,6
Paprika, Chili0,8–1,21,6–2,02,0–2,5
Gurke0,8–1,21,5–1,81,8–2,2

Im vertikalen Turm teilen sich alle Pflanzen denselben Tank, also gilt: plane nach der empfindlichsten Kultur. Salat bei 1,0 und Tomate bei 2,4 gehören nicht in denselben Behälter — der Salat bekommt braune Blattränder, lange bevor die Tomate in Fahrt kommt. Wenn du doch mischst, bleib bei 1,4–1,6 und akzeptiere, dass niemand im Optimum steht.

Bei Hitze über 28 °C senke den Ziel-EC um 0,2–0,4. Die Pflanze trinkt dann viel Wasser, die Salze bleiben zurück — in der Wurzelzone ist die Konzentration tatsächlich höher, als das Messgerät im Tank anzeigt.

Den EC des Leitungswassers mitrechnen

Miss zuerst das nackte Wasser, bevor du irgendetwas zugibst. In Deutschland und Österreich liegt Leitungswasser meist bei 0,3–0,8 mS/cm, in Kalkregionen auch darüber; Regen- und Osmosewasser liegen unter 0,05. Hat dein Wasser 0,5 und das Salatziel ist 1,2, darf der Dünger nur 0,7 beisteuern — du dosierst also weniger, als das Etikett sagt, denn das rechnet mit reinem Wasser.

  • Miss den EC deines Leitungswassers und notiere ihn — er schwankt saisonal, prüfe ihn alle zwei bis drei Monate nach.
  • Ziel-EC = EC des Wassers + Beitrag des Düngers. Niemals die volle Dosis „obendrauf“ auf hartes Wasser geben.
  • Ab 0,8 mS/cm lohnt Mischen mit Regenwasser 50:50; ab 1,0 wird Hydroponik zäh, weil die Hälfte deines Spielraums von Calcium und Natrium belegt ist, das die Pflanze nicht braucht.
  • Natrium wird nicht verbraucht. Es bleibt im Tank und macht mit jeder Nachfüllung einen größeren Anteil des gemessenen EC aus — ein weiteres Argument für den kompletten Wasserwechsel.

Details zu Härte, Chlor und Hydrogencarbonat findest du unter Wasserqualität.

Warum der EC im Tank von allein steigt

Das ist die häufigste Frage und der häufigste Fehler. Die Pflanze trinkt Wasser schneller, als sie Salze aufnimmt, und ein Teil verdunstet. Die Salzmenge bleibt gleich, das Wasser wird weniger — die Konzentration steigt. Ein steigender EC bedeutet: Wasser nachfüllen, nicht düngen.

Konkret: Ein 40-L-Tank auf EC 1,2 verliert in einer heißen Woche 10 L. Übrig bleiben 30 L mit derselben Salzmenge, der EC springt auf rund 1,6. Derselbe Verlust in einem 50-L-Tank ergibt 1,5, weil 10 L dort ein kleinerer Anteil sind. Ein größerer Tank spart also nicht nur Nachfüllen, er hält die Lösung auch ruhiger.

  • Fülle mit reinem Wasser bis zur Markierung auf, rühre um und miss erst nach 15–30 Minuten.
  • Ist der EC auch danach zu hoch, nimm 20–30 % der Lösung heraus und ersetze sie durch Wasser.
  • Fällt der EC schnell (bewölkt, kühl, starkes Wachstum), zehrt die Pflanze an den Salzen — dann in Schritten von 0,1–0,2 nachdüngen, nie auf einmal.
  • Kompletter Lösungswechsel alle 2–3 Wochen, auch wenn der EC unauffällig aussieht.

Ziel-EC, exakte Dosis und pH-Wert für 67 Pflanzen rechnest du im Nährstoff-Rechner aus: Pflanze, Wachstumsphase, Düngerserie und Tankgröße wählen. Betrachte EC und pH-Wert immer zusammen — ein hoher EC bei falschem pH heißt weiterhin, dass die Pflanze nicht aufnehmen kann, was du zugegeben hast.

Häufige Fragen

Welches Messgerät brauche ich zum Start?
Ein einfacher Stift mit ATC und Kalibriermöglichkeit auf die Standardlösung 1413 µS/cm reicht völlig (etwa 20–40 €). Ein teureres Gerät misst nicht entscheidend genauer; wichtig ist, dass du kalibrierst und die Elektrode sauber und feucht hältst.
Kann ich EC und pH mit einem Gerät messen?
Kombigeräte gibt es, aber zwei getrennte Stifte sind im Alltag günstiger zu ersetzen und lassen dich seltener bei beiden Messungen gleichzeitig im Stich. Die pH-Elektrode ist ein Verschleißteil und hält 1–2 Jahre, die EC-Sonde deutlich länger.
Was tun, wenn der EC zu hoch ist?
Mit reinem Wasser verdünnen, bis er im Zielbereich liegt. Ein dauerhaft zu hoher EC erzeugt osmotischen Stress: Die Pflanze welkt, obwohl der Tank voll ist, das Wachstum stoppt, und beim Salat werden die Ränder junger Blätter braun.
Warum bleibt der EC gleich, aber die Pflanzen werden blass?
Weil der EC die Ionen nicht unterscheidet. Nach zwei bis drei Wochen sind die Verhältnisse verschoben — Stickstoff und Kalium sind verbraucht, Sulfat und Natrium liegen noch da. Die Zahl sieht gut aus, die Lösung ernährt aber nicht mehr. Die Lösung ist der Komplettwechsel, nicht das Nachdüngen.