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Beleuchtung in der Hydroponik: PAR, PPFD und DLI ohne Verwirrung

Lumen ist ein Maß für das menschliche Auge und sagt über Pflanzenlicht fast nichts. Wir erklären PAR, PPFD und DLI, geben Zielwerte je Kultur, Abstandsregeln für die Lampe und eine konkrete Stromkostenrechnung.

Praxis7 Min.Autor: Stari Vuk
Kurz gesagt: Lumen ist ein Maß für das menschliche Auge und sagt über Pflanzenlicht fast nichts. Entscheidend sind zwei Zahlen — PPFD (wie viel Licht pro Sekunde auf dem Blatt ankommt) und DLI (wie viel sich über den ganzen Tag summiert). Salat und Kräuter brauchen DLI 12–17 mol/m²/Tag, Fruchtgemüse 20–30.

Draußen ist die Lichtfrage erledigt: volle Sonne liefert 1.800–2.200 µmol/m²/s, mehr als jede LED, die du kaufen wirst. Drinnen fängt das Problem an. Wohnraumbeleuchtung, die dir hell vorkommt, ist für eine Pflanze fast Dunkelheit — auf dem Tisch unter einer normalen Deckenlampe misst du 10–30 µmol/m²/s. Das ist etwa ein Prozent der vollen Sonne, und genau deshalb werden Pflanzen im Wohnzimmerregal blass und lang.

Die vier Begriffe, die du wirklich brauchst

BegriffWas er misstWarum er zählt
PARWellenlängenbereich 400–700 nm, den die Pflanze für Photosynthese nutztKeine Zahl, sondern ein Bereich; alles andere wird darin gemessen
PPFDPhotonen pro Sekunde und Quadratmeter (µmol/m²/s)Lichtstärke am Blatt, nicht an der Lampe
DLITagesgesamtdosis an Photonen (mol/m²/Tag)Die einzige Zahl, die Wachstum wirklich vorhersagt
Kelvin (K)Lichtfarbe: 3000 K warm, 6500 K kaltGrobe Orientierung zum Spektrum, sagt nichts über die Stärke
LumenLicht, gewichtet nach Empfindlichkeit des menschlichen AugesFür Pflanzen irreführend — siehe gleich unten

Warum Lumen in die Irre führt

Lumen wurde für Menschen erfunden. Der Wert ist mit der Augenempfindlichkeitskurve gewichtet, die ihr Maximum im Grünen hat (555 nm) — und Grün reflektiert die Pflanze am stärksten, genau deshalb ist das Blatt grün. Die Photosynthese nutzt vor allem Blau um 450 nm und Rot um 660 nm, also ausgerechnet das, was Lumen kaum zählt. Eine Lampe mit „10.000 Lumen“ kann darum weniger Wachstum bringen als eine mit 6.000 Lumen, wenn das Spektrum anders liegt.

Beim Kauf schaust du auf µmol/J (Effizienz). Billige LED-Panels vom Marktplatz schaffen 1,0–1,6 µmol/J, solide Pflanzen-LEDs 2,3–2,8, Spitzengeräte 3,0–3,5. Der Unterschied zwischen 1,3 und 2,6 bedeutet die halbe Stromrechnung bei gleichem Wachstum. Nennt ein Hersteller weder µmol/J noch PPFD auf einer definierten Distanz, hast du nichts zum Vergleichen.

DLI: die Rechnung, die du im Kopf machen kannst

Die Formel ist simpel: DLI = PPFD × Stunden × 0,0036. Beispiel: 200 µmol/m²/s über 14 Stunden ergeben 200 × 14 × 0,0036 = 10,1 mol/m²/Tag. Für Salat ist das etwas zu wenig — also entweder auf 16 Stunden verlängern (11,5) oder auf 250 µmol hochgehen (14,4).

KulturPPFD (µmol/m²/s)Stunden/TagZiel-DLI
Keimlinge und Microgreens100–15014–166–10
Salat, Feldsalat150–25014–1612–17
Rucola, Spinat, Mangold150–25012–1410–16
Basilikum, Petersilie, Dill200–30014–1614–20
Erdbeeren250–35012–1417–22
Tomate, Paprika, Chili300–50012–1620–30

Über dem Ziel-DLI wächst die Pflanze nicht schneller. Sie steckt die Energie stattdessen in Abwehr: Blätter bleichen aus, Salatränder werden braun (Tipburn), manche Sorten färben sich rötlich-violett durch Anthocyane. Mehr Licht ohne mehr Nährstoffe und ausreichend Wasser endet immer schlechter als moderates Licht.

Abstand und Lichtverteilung

Die Stärke fällt mit dem Quadrat der Entfernung: verdoppelst du den Abstand, bleibt am Blatt ein Viertel des Lichts. Bei einer kleinen Lampe ändern 10 cm alles, bei einem großen Panel sind sie fast egal.

  • Blattgemüse und Kräuter: 20–40 cm über der Pflanzenspitze.
  • Fruchtgemüse: 30–50 cm — es braucht mehr Licht und verträgt es auch.
  • Zu hell: die lampennächsten Blätter bleichen aus, wölben sich nach oben oder werden am Rand braun.
  • Zu dunkel: der Stängel streckt sich, die Abstände zwischen den Blättern werden groß, die Pflanze neigt sich zur Lichtquelle.

Der vertikale Turm ist ein Sonderfall: 32 Plätze verteilen sich über 180 cm Höhe, also verbrennt eine einzelne Deckenlampe die obersten Pflanzen und lässt die unteren im Halbdunkel. Draußen löst das die Sonne, die seitlich einfällt und ihren Winkel über den Tag ändert. Drinnen brauchst du Licht, das senkrecht neben dem Turm steht — zwei LED-Leisten auf beiden Seiten, oder eine Leiste plus Drehen des Turms um 90° alle paar Tage. Zur Konstruktion selbst steht mehr im Text Vertikaler Turm.

Vollspektrum oder „Blurple“?

Violette Lampen (nur blaue und rote Dioden, sogenannte Blurple-Lampen) waren vor rund zehn Jahren effizienter, weil weiße LEDs damals schwach waren. Heute erreichen gute weiße LEDs mit zusätzlichen roten Dioden bei 660 nm die gleiche oder eine bessere Effizienz — und du siehst deine Pflanze dabei tatsächlich. Unter violettem Licht erkennst du weder ein gelbes Blatt noch die ersten Schädlinge.

Praktisch: 3500–4000 K weiß mit Rotanteil deckt alles von der Keimung bis zur Frucht ab. 6500 K hat mehr Blau und ergibt kompakteren, gedrungeneren Wuchs — gut für Anzucht. 2700–3000 K hat mehr Rot und begünstigt Blüte und Fruchtansatz.

Was das an Strom kostet

Die Rechnung: kWh pro Monat = Watt × Stunden pro Tag × 30 ÷ 1000. In Deutschland liegt der Arbeitspreis bei etwa 0,35 €/kWh.

AufbauLeistungStunden/TagkWh/MonatKosten/Monat
LED-Leiste für 2–3 Pflanzen20 W148,4~2,90 €
LED-Panel für den Turm drinnen60 W1425,2~8,80 €
Turmpumpe (im Intervall)8 W12 äquiv.2,9~1,00 €

Ehrlich gerechnet: in Kroatien kostet dieselbe Kilowattstunde etwa 0,15 € und das Panel damit nur rund 3,80 € im Monat. Salat unter Kunstlicht ist in Deutschland also nicht billiger als gekaufter Salat. Es lohnt sich wegen Frische, wegen Kräutern, die sonst zur Hälfte im Müll landen, und wegen der Kontrolle darüber, was auf dem Blatt liegt. Draußen, wo die Sonne das Licht liefert, zahlst du nur die Pumpe — und die Rechnung sieht völlig anders aus.

Dauer: 12 bis 16 Stunden, nicht 24

Die meisten Kulturen wollen 12–16 Stunden Licht. Salat verträgt auch 18–20 Stunden und wächst dann schneller, empfindliche Sorten bekommen dabei aber braune Blattränder. Tomate ist die klare Ausnahme: bei Dauerlicht ohne Dunkelphase entwickelt sie Chlorosen und vergilbt. Setz eine Zeitschaltuhr und halte jeden Tag dieselben Zeiten — Pflanzen reagieren auf Rhythmus, nicht nur auf Menge.

Noch ein Grund für Timer und durchdachte Lampenposition: Licht, das auf den Tank fällt, füttert Algen. Ist der Tank durchscheinend, wickle ihn ein oder stell ihn in den Schatten der Lampe.

Häufige Fragen

Reicht ein Südfenster?
Im Sommer ja, für Kräuter. Im Winter nein: einen Meter vom Südfenster misst du im Dezember einen DLI von nur 1–3 mol/m²/Tag, Salat braucht mindestens 12. Das Glas schluckt zusätzlich 10–20 % des Lichts. Ohne Zusatzlicht bekommst du blasse, vergeilte Pflanzen.
Kann ich normale LED-Birnen aus dem Haushalt nehmen?
Kannst du, aber rechne nach. Eine Haushalts-LED liefert etwa 1,0–1,3 µmol/J, du brauchst also die doppelte bis dreifache Wattzahl für dasselbe Ergebnis. Für zwei, drei Kräutertöpfe ist das in Ordnung, für einen ganzen Turm nicht.
Woran merke ich, dass die Lampe zu nah oder zu weit weg ist?
Halte die Hand 30 Sekunden auf Höhe der Pflanzenspitze. Fühlt es sich spürbar warm an, ist die Lampe zu nah. Wächst die Pflanze lang gestreckt mit großen Abständen zwischen den Blättern, ist sie zu weit weg oder zu schwach.
Wachsen Pflanzen auch nachts?
Ja. Nachts laufen Atmung und der Transport der tagsüber gebildeten Zucker, die Wurzel wächst aktiv weiter. Eine Dunkelphase von mindestens 8 Stunden ist keine verlorene Zeit, sondern Teil des Wachstumszyklus.