Algen sind einzellige oder fädige Pflanzen und brauchen genau dasselbe wie dein Salat: Wasser, gelöste Mineralien und Licht. Die ersten beiden hat ein Hydroponik-System im Überfluss, also ist Licht der einzige Hebel, den du wirklich in der Hand hast. Der Kampf gegen Algen wird deshalb nicht mit Chemie geführt, sondern mit Dunkelheit.
Woran du Algen erkennst
Das erste Anzeichen ist nicht grünes Wasser, sondern ein schmieriger Film an der Wand. Fahr mit dem Finger innen am Tank entlang: Fühlt es sich glitschig an, sind die Algen längst da — du siehst sie nur noch nicht.
- Grüner oder bräunlicher Belag an Tankinnenwand und Deckel — das früheste Signal.
- Schleimiger Überzug an den Wurzeln, der sich unter lauwarmem Wasser nicht abspülen lässt.
- Die Pumpe läuft lauter oder schwächer, weil der Filter zusitzt.
- Kleine schwarze Mücken, die eher um die Pflanzplätze hüpfen als fliegen.
- Der pH steigt im Tagesverlauf um 0,3–0,8 Einheiten, ohne dass du etwas gemacht hast.
Warum Algen echten Schaden anrichten
Sauerstoff
Tagsüber produzieren Algen Sauerstoff, nachts verbrauchen sie ihn — wie jede Pflanze. In einem 25 °C warmen Tank fällt der gelöste Sauerstoff schnell unter 5 mg/L, die Wurzel braucht aber 6–8 mg/L. Unter 4 mg/L öffnet sich die Tür für Pythium, den Erreger der Wurzelfäule. Abgestorbene Algen sind noch übler: Die Bakterien, die sie zersetzen, ziehen zusätzlich Sauerstoff aus dem Wasser.
Nährstoffe
Algen essen aus derselben Schüssel. Zuerst verschwinden Eisen, Phosphor und Mangan, weil sie ohnehin in den kleinsten Mengen gelöst sind. Typisches Bild: Der EC-Wert sieht sauber aus, aber die jungen Blätter vergilben zwischen den Blattadern.
Pumpe und Trauermücken
Der Schleim setzt sich am Pumpenfilter und in den engen Öffnungen des Verteilers fest. Beim vertikalen Turm heißt das: Der Durchfluss sinkt und die obersten Reihen bleiben trocken. Dazu kommt, dass der feuchte Algenfilm der ideale Ablageplatz für Trauermückeneier (Bradysia) ist. Die Larven fressen erst Algen — sind die weg, gehen sie an die Wurzelhaare.
Vorbeugung: Nimm das Licht weg, nicht die Algen
| Stelle im System | Warum riskant | Lösung |
|---|---|---|
| Tank | Transparentes und weißes Plastik lassen Licht durch | Blickdichter dunkler Tank oder zwei Lagen lichtdichte Folie |
| Schläuche | Ein Klarschlauch ist ein Mini-Gewächshaus | Schwarze Schläuche oder mit Isolierband umwickeln |
| Deckel | Schon 2 mm Spalt reichen für einen grünen Rand | Passgenauer Deckel, Nachfüllöffnung mit Stopfen |
| Leere Pflanzplätze | Ein 5-cm-Loch leuchtet direkt in die Lösung | Abdeckkappe auf jeden freien Platz |
| Substratoberfläche | Nasse Steinwolle im Licht ergrünt in 4–7 Tagen | Dünne Blähtonschicht oder schwarze Kappe um den Setzling |
Der zweite Hebel ist die Temperatur. Bei 18–20 °C wachsen Algen langsam, ab 24 °C explodieren sie. Stell den Tank im Sommer in den Schatten und lass den Nachfüllkanister nicht in der Sonne stehen — darin fängt es meist früher an als im System selbst.
Entfernen: erst mechanisch, dann Peroxid
Chemie kommt durch eine dicke Schleimschicht nicht durch. Die Reihenfolge ist immer dieselbe:
- Tank leeren. Die alte Lösung ist prima für Zimmerpflanzen in Erde.
- Wände mit weicher Bürste und warmem Wasser reinigen. Kalk mit 1:5 verdünntem Essig lösen, danach gründlich spülen.
- Pumpenfilter und Rotor zerlegen und ausspülen — dort sitzt der meiste Schleim.
- Wurzeln nur sanft mit lauwarmem Wasser abbrausen, nicht rubbeln.
- Mit frischem Wasser füllen, Nährstoffe zugeben, erst danach Peroxid.
Dosierung von 3 % Wasserstoffperoxid
| Zweck | Pro 10 L | 40-L-Tank | 50-L-Tank | Rhythmus |
|---|---|---|---|---|
| Vorbeugend, mit Pflanzen | 10 ml | 40 ml | 65 ml | 1× pro Woche, nach dem Nachfüllen |
| Sichtbare Algen, mit Pflanzen | 20–30 ml | 80–120 ml | 130–195 ml | Einmalig, nach 3 Tagen prüfen |
| Spülung des leeren Systems | 100 ml | 400 ml | 650 ml | 20–30 min zirkulieren, dann 2× klarspülen |
Wasserstoffperoxid zerfällt im Wasser zu Wasser und Sauerstoff. In der Nährlösung liegt die Halbwertszeit bei wenigen Stunden, bei warmem Wasser und hoher organischer Last sogar unter einer Stunde. Heißt: kein Rückstand im Gemüse — aber eben auch kein Dauerschutz.
- ⚠️ Peroxid immer in den gefüllten Tank geben, nie umgekehrt.
- ⚠️ Handschuhe und Brille. Die 3 % aus der Apotheke sind mild, 12 % und 35 % hinterlassen weiße Verätzungen auf der Haut.
- ⚠️ Nicht mit organischen Düngern, Huminstoffen oder Nützlingskulturen (Trichoderma, Bacillus) mischen — die oxidiert es genauso schnell wie Algen.
- ⚠️ Niemals mit Bleiche oder chlorhaltigen Mitteln kombinieren.
- ⚠️ Nach einer Spülung mit 10 ml/L das System zweimal mit klarem Wasser durchspülen, bevor die Pflanzen zurückkommen.
Ehrlich: null Algen gibt es nicht
Ein dünner grüner Rand um einen Pflanzplatz, der dauerhaft nass und im Licht ist, ist normal und schadet niemandem. Das Ziel ist keine Sterilität, sondern dass die Algen nicht in Tank und Pumpe kommen. Wenn du jede Woche Peroxid brauchst, kommt irgendwo Licht rein — such den Spalt, nicht die höhere Dosis.
Mehr zum Wasser, mit dem du das System füllst, findest du unter Wasserqualität, die Reinigungsroutine Schritt für Schritt unter Turm-Wartung.
