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Nährstoffe in der Hydroponik: N, P, K, Calcium und Spurenelemente

Was jedes Element genau tut, wie sein Mangel aussieht und warum Calcium ein Transport- und kein Dosierproblem ist. Mit konkreten mg/l-Werten und Masterblend-Rezept auf 10 Liter.

Wasser & Nährstoffe7 Min.Autor: Stari Vuk
Kurz gesagt: Eine Pflanze braucht 14 mineralische Elemente aus dem Wasser. Drei davon in Gramm (N, P, K), drei in Zehntelgramm (Ca, Mg, S) und sechs in Milligramm (Fe, Mn, Zn, B, Cu, Mo). Die meisten Probleme in der Praxis sind kein Mangel im Tank, sondern Calcium, das nicht im Blatt ankommt, und Eisen, das bei zu hohem pH ausfällt.

Für das Wachstum sind 17 Elemente nötig. Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff holt sich die Pflanze aus Luft und Wasser — die kosten nichts. Die übrigen 14 müssen aus der Nährlösung kommen, und zwar im richtigen Verhältnis zueinander. Ein Überschuss ist dabei genauso schädlich wie ein Mangel, weil sich die Ionen an der Wurzel gegenseitig verdrängen: viel Kalium bremst die Calcium- und Magnesiumaufnahme, viel Ammonium bremst Calcium.

Was jedes Element tut

  • Stickstoff (N) — baut Eiweiß und Chlorophyll, der Motor der Blattmasse. Zu viel Stickstoff gibt weiches, wässriges Blatt, das Blattläuse anzieht.
  • Phosphor (P) — Energieübertragung, Wurzelentwicklung, Blüte. Wird bei Wassertemperaturen unter 15 °C schlecht aufgenommen.
  • Kalium (K) — steuert Spaltöffnungen, Zellfestigkeit, Zucker und Fruchtgeschmack.
  • Calcium (Ca) — der Zement der Zellwände. Bewegt sich ausschließlich nach oben, zusammen mit dem Wasser.
  • Magnesium (Mg) — das zentrale Atom im Chlorophyllmolekül. Ohne Mg kein Grün.
  • Schwefel (S) — Aminosäuren; kommt über Sulfatdünger automatisch mit und fehlt selten.
  • Spurenelemente — Fe, Mn, Zn, B, Cu, Mo. Nur Milligramm nötig, aber ihr Mangel stoppt das Wachstum genauso schnell wie fehlender Stickstoff.

Wie viel wovon — konkrete Zahlen

ElementBlattgemüse (mg/l)Fruchtgemüse (mg/l)
Stickstoff (N)100–130150–190
Phosphor (P)30–4540–55
Kalium (K)120–160250–320
Calcium (Ca)100–140150–190
Magnesium (Mg)30–4545–60
Eisen (Fe)1,5–2,52,0–3,0
Mn / Zn / B0,5 / 0,1 / 0,30,6 / 0,15 / 0,4

Bei hartem Wasser — in weiten Teilen Deutschlands und Kroatiens sind 15–25 °dH normal — liefert schon die Leitung rund 100–180 mg/l Calcium plus etwas Magnesium. Das deckt den Bedarf eines Salats fast vollständig. Deshalb bringt dieselbe Düngerdosis an zwei Orten nicht dasselbe Ergebnis; Details im Text Wasserqualität.

Wo das Symptom auftaucht, ist die halbe Diagnose

Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium sind beweglich: Die Pflanze räumt sie bei Knappheit aus altem Blatt ins neue um. Ihr Mangel beginnt deshalb immer unten. Calcium, Eisen, Bor und Mangan sind unbeweglich — einmal eingebaut, bleiben sie, wo sie sind. Ihr Mangel zeigt sich oben, am jüngsten Blatt.

SymptomWoUrsacheWas tun
Ältere Blätter vergilben gleichmäßiguntenStickstoff (N)Lösung erneuern, EC prüfen
Gelb zwischen grünen Adern am jüngsten BlattobenEisen (Fe) — in 9 von 10 Fällen pH über 6,5pH auf 5,8 senken, erst dann Chelat
Gleiches Muster, aber an alten BlätternuntenMagnesium (Mg)Bittersalz 0,3–0,5 g/l
Braune, papierige Ränder junger Herzblätteroben, innenCalcium (Ca) — TipburnLuftbewegung, Luftfeuchte unter 75 %, EC senken
Schwarzer, eingesunkener Fleck am FruchtendeFruchtCalciumtransport, kein Mangel im WasserGleichmäßige Wasserversorgung, EC und K senken
Verkrüppelte Triebspitze, hohle brüchige StängelobenBor (B)Sehr sparsam dosieren, 0,3 mg/l genügen
Kleine dunkelgrüne Blätter, violette StängeluntenPhosphor (P), oft Wasser unter 15 °CTanktemperatur messen
Nekrotischer Rand alter Blätter, Pflanze schlaff bei nasser WurzeluntenKalium (K) oder WurzelfäuleWurzelfarbe und Belüftung prüfen

Beim Eisen zählt die Form mehr als die Menge: Fe-EDTA hält Eisen bis pH 6,5 in Lösung, Fe-DTPA bis 7,0, Fe-EDDHA auch über 8 (färbt das Wasser aber rot). Wenn dein pH ständig nach oben läuft, bringt der Wechsel des Chelats mehr als mehr Eisen. Siehe pH-Wert.

Calcium: ein Transportproblem, kein Dosierproblem

Calcium wandert im Xylem ausschließlich mit dem Wasser, und Wasser geht dorthin, wo am meisten verdunstet — in große, offene Blätter. Das junge Herz eines Salats oder die Spitze einer Tomate verdunsten fast nichts. Deshalb kann Calcium im Tank völlig in Ordnung sein und die inneren Blattspitzen werden trotzdem braun. Das ist Tipburn, die häufigste Beschwerde bei Salat im Innenraum.

  • Luftfeuchte dauerhaft über 80 % — das Blatt verdunstet nicht, Calcium wandert nicht. Ein kleiner Ventilator hilft mehr als jeder Zusatz.
  • Zu schnelles Wachstum bei hohem Stickstoff — neues Gewebe entsteht schneller, als Calcium nachkommt.
  • Zu hoher EC — die Wurzel zieht schwerer Wasser, der Transport bremst.
  • Viel Kalium und Magnesium — sie verdrängen Calcium direkt an der Wurzel.
  • Bei Tomaten erzeugt derselbe Mechanismus die Blütenendfäule: einen schwarzen, eingesunkenen Fleck am Fruchtboden. Calcium auf die Frucht zu sprühen bringt kaum etwas, weil Früchte fast keine Spaltöffnungen haben.

Ein-, zwei- oder dreikomponentiger Dünger

Calciumnitrat darf im Konzentrat nicht mit Sulfaten und Phosphaten zusammenkommen — es entstehen Gips und Calciumphosphat, ein weißer Niederschlag, der für die Pflanze verloren ist. Deshalb kommen ernstzunehmende Dünger in mindestens zwei Teilen: A (Calcium) und B (der Rest). Die Regel: A und B niemals unverdünnt zusammenkippen, sondern jeden Teil einzeln ins Wasser geben.

  • Einkomponentig — am einfachsten, aber das Verhältnis ist fest und du kannst nicht von Blatt- auf Fruchtphase umstellen.
  • Zweikomponentig (A + B) — der Standard in der Hydroponik und ein guter Kompromiss für den Heimturm.
  • Dreikomponentig (Grow / Micro / Bloom) — maximale Freiheit, aber auch maximaler Spielraum für Fehler.

Das Masterblend-Prinzip

Masterblend 4-18-38 ist das bekannteste „Profi“-Rezept und arbeitet mit drei Pulvern: Masterblend selbst, Calciumnitrat und Bittersalz (Magnesiumsulfat), im Verhältnis 2 : 2 : 1.

KomponenteAuf 10 l — FruchtgemüseAuf 10 l — Blattgemüse
Masterblend 4-18-386,3 g3,2 g
Calciumnitrat6,3 g3,2 g
Magnesiumsulfat3,2 g1,6 g
Erwarteter ECrund 2,2 mS/cmrund 1,2 mS/cm

Löse jedes Pulver einzeln in etwas lauwarmem Wasser und gib es dann in den Tank, das Calciumnitrat zuletzt. Für einen 40-Liter-Turm sind das etwa 13 + 13 + 6 g für Fruchtgemüse beziehungsweise die Hälfte davon für Salate. Die Waage ist der Startpunkt, aber der EC-Wert ist die Wahrheit — miss nach dem Anrühren nach.

NPK: Blatt ist nicht Frucht

Salat und Kräuter wollen ein N : K von etwa 1 : 1,2. Tomate, Paprika und Erdbeere wollen 1 : 2 — Kalium baut Zucker und Fruchtfestigkeit auf, während zu viel Stickstoff in der Fruchtphase eine üppige Pflanze mit wenig Ertrag ergibt. In einem vertikalen Turm teilen sich alle 32 Plätze denselben Tank, zwei Rezepturen parallel gehen also nicht. Praktisch heißt das: entweder du fährst die Blattrezeptur und akzeptierst bei Tomaten einen etwas kleineren, aber völlig korrekten Ertrag — oder du widmest den Turm eine Saison lang den Fruchtpflanzen.

Häufige Fragen

Kann ich normalen Zimmerpflanzendünger nehmen?
Nicht ohne Vorsicht. Die meisten Universaldünger enthalten kein Calcium, weil sie davon ausgehen, dass die Pflanze es im Boden findet. Im Wasser ist keines — innerhalb eines Monats siehst du Tipburn. Nimm einen Dünger, der CaO oder Calcium ausdrücklich auf der Deklaration führt.
Wie lange hält die Nährlösung?
Komplett erneuern alle 2–3 Wochen. Dazwischen nur klares Wasser nachfüllen: Verdunstung nimmt Wasser mit, die Salze bleiben — der EC steigt von allein und das Verhältnis der Elemente verschiebt sich.
Ich sehe gelbe Blätter — mehr düngen?
Erst den pH messen. Über 6,5 fällt Eisen aus und das Blatt vergilbt, obwohl genug Eisen im Wasser ist. Dünger nachzukippen erhöht in diesem Moment nur den EC und verschlimmert die Lage.
Brauche ich separate Spurenelemente?
Bei einer kompletten Hydroponik-Rezeptur nicht — die Spurenelemente sind bereits enthalten. Blindes Nachdosieren ist die häufigste Ursache für Toxizität: Bei Bor liegen ausreichend und giftig nur zwischen 0,3 und 1 mg/l auseinander.