Für das Wachstum sind 17 Elemente nötig. Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff holt sich die Pflanze aus Luft und Wasser — die kosten nichts. Die übrigen 14 müssen aus der Nährlösung kommen, und zwar im richtigen Verhältnis zueinander. Ein Überschuss ist dabei genauso schädlich wie ein Mangel, weil sich die Ionen an der Wurzel gegenseitig verdrängen: viel Kalium bremst die Calcium- und Magnesiumaufnahme, viel Ammonium bremst Calcium.
Was jedes Element tut
- Stickstoff (N) — baut Eiweiß und Chlorophyll, der Motor der Blattmasse. Zu viel Stickstoff gibt weiches, wässriges Blatt, das Blattläuse anzieht.
- Phosphor (P) — Energieübertragung, Wurzelentwicklung, Blüte. Wird bei Wassertemperaturen unter 15 °C schlecht aufgenommen.
- Kalium (K) — steuert Spaltöffnungen, Zellfestigkeit, Zucker und Fruchtgeschmack.
- Calcium (Ca) — der Zement der Zellwände. Bewegt sich ausschließlich nach oben, zusammen mit dem Wasser.
- Magnesium (Mg) — das zentrale Atom im Chlorophyllmolekül. Ohne Mg kein Grün.
- Schwefel (S) — Aminosäuren; kommt über Sulfatdünger automatisch mit und fehlt selten.
- Spurenelemente — Fe, Mn, Zn, B, Cu, Mo. Nur Milligramm nötig, aber ihr Mangel stoppt das Wachstum genauso schnell wie fehlender Stickstoff.
Wie viel wovon — konkrete Zahlen
| Element | Blattgemüse (mg/l) | Fruchtgemüse (mg/l) |
|---|---|---|
| Stickstoff (N) | 100–130 | 150–190 |
| Phosphor (P) | 30–45 | 40–55 |
| Kalium (K) | 120–160 | 250–320 |
| Calcium (Ca) | 100–140 | 150–190 |
| Magnesium (Mg) | 30–45 | 45–60 |
| Eisen (Fe) | 1,5–2,5 | 2,0–3,0 |
| Mn / Zn / B | 0,5 / 0,1 / 0,3 | 0,6 / 0,15 / 0,4 |
Bei hartem Wasser — in weiten Teilen Deutschlands und Kroatiens sind 15–25 °dH normal — liefert schon die Leitung rund 100–180 mg/l Calcium plus etwas Magnesium. Das deckt den Bedarf eines Salats fast vollständig. Deshalb bringt dieselbe Düngerdosis an zwei Orten nicht dasselbe Ergebnis; Details im Text Wasserqualität.
Wo das Symptom auftaucht, ist die halbe Diagnose
Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium sind beweglich: Die Pflanze räumt sie bei Knappheit aus altem Blatt ins neue um. Ihr Mangel beginnt deshalb immer unten. Calcium, Eisen, Bor und Mangan sind unbeweglich — einmal eingebaut, bleiben sie, wo sie sind. Ihr Mangel zeigt sich oben, am jüngsten Blatt.
| Symptom | Wo | Ursache | Was tun |
|---|---|---|---|
| Ältere Blätter vergilben gleichmäßig | unten | Stickstoff (N) | Lösung erneuern, EC prüfen |
| Gelb zwischen grünen Adern am jüngsten Blatt | oben | Eisen (Fe) — in 9 von 10 Fällen pH über 6,5 | pH auf 5,8 senken, erst dann Chelat |
| Gleiches Muster, aber an alten Blättern | unten | Magnesium (Mg) | Bittersalz 0,3–0,5 g/l |
| Braune, papierige Ränder junger Herzblätter | oben, innen | Calcium (Ca) — Tipburn | Luftbewegung, Luftfeuchte unter 75 %, EC senken |
| Schwarzer, eingesunkener Fleck am Fruchtende | Frucht | Calciumtransport, kein Mangel im Wasser | Gleichmäßige Wasserversorgung, EC und K senken |
| Verkrüppelte Triebspitze, hohle brüchige Stängel | oben | Bor (B) | Sehr sparsam dosieren, 0,3 mg/l genügen |
| Kleine dunkelgrüne Blätter, violette Stängel | unten | Phosphor (P), oft Wasser unter 15 °C | Tanktemperatur messen |
| Nekrotischer Rand alter Blätter, Pflanze schlaff bei nasser Wurzel | unten | Kalium (K) oder Wurzelfäule | Wurzelfarbe und Belüftung prüfen |
Beim Eisen zählt die Form mehr als die Menge: Fe-EDTA hält Eisen bis pH 6,5 in Lösung, Fe-DTPA bis 7,0, Fe-EDDHA auch über 8 (färbt das Wasser aber rot). Wenn dein pH ständig nach oben läuft, bringt der Wechsel des Chelats mehr als mehr Eisen. Siehe pH-Wert.
Calcium: ein Transportproblem, kein Dosierproblem
Calcium wandert im Xylem ausschließlich mit dem Wasser, und Wasser geht dorthin, wo am meisten verdunstet — in große, offene Blätter. Das junge Herz eines Salats oder die Spitze einer Tomate verdunsten fast nichts. Deshalb kann Calcium im Tank völlig in Ordnung sein und die inneren Blattspitzen werden trotzdem braun. Das ist Tipburn, die häufigste Beschwerde bei Salat im Innenraum.
- Luftfeuchte dauerhaft über 80 % — das Blatt verdunstet nicht, Calcium wandert nicht. Ein kleiner Ventilator hilft mehr als jeder Zusatz.
- Zu schnelles Wachstum bei hohem Stickstoff — neues Gewebe entsteht schneller, als Calcium nachkommt.
- Zu hoher EC — die Wurzel zieht schwerer Wasser, der Transport bremst.
- Viel Kalium und Magnesium — sie verdrängen Calcium direkt an der Wurzel.
- Bei Tomaten erzeugt derselbe Mechanismus die Blütenendfäule: einen schwarzen, eingesunkenen Fleck am Fruchtboden. Calcium auf die Frucht zu sprühen bringt kaum etwas, weil Früchte fast keine Spaltöffnungen haben.
Ein-, zwei- oder dreikomponentiger Dünger
Calciumnitrat darf im Konzentrat nicht mit Sulfaten und Phosphaten zusammenkommen — es entstehen Gips und Calciumphosphat, ein weißer Niederschlag, der für die Pflanze verloren ist. Deshalb kommen ernstzunehmende Dünger in mindestens zwei Teilen: A (Calcium) und B (der Rest). Die Regel: A und B niemals unverdünnt zusammenkippen, sondern jeden Teil einzeln ins Wasser geben.
- Einkomponentig — am einfachsten, aber das Verhältnis ist fest und du kannst nicht von Blatt- auf Fruchtphase umstellen.
- Zweikomponentig (A + B) — der Standard in der Hydroponik und ein guter Kompromiss für den Heimturm.
- Dreikomponentig (Grow / Micro / Bloom) — maximale Freiheit, aber auch maximaler Spielraum für Fehler.
Das Masterblend-Prinzip
Masterblend 4-18-38 ist das bekannteste „Profi“-Rezept und arbeitet mit drei Pulvern: Masterblend selbst, Calciumnitrat und Bittersalz (Magnesiumsulfat), im Verhältnis 2 : 2 : 1.
| Komponente | Auf 10 l — Fruchtgemüse | Auf 10 l — Blattgemüse |
|---|---|---|
| Masterblend 4-18-38 | 6,3 g | 3,2 g |
| Calciumnitrat | 6,3 g | 3,2 g |
| Magnesiumsulfat | 3,2 g | 1,6 g |
| Erwarteter EC | rund 2,2 mS/cm | rund 1,2 mS/cm |
Löse jedes Pulver einzeln in etwas lauwarmem Wasser und gib es dann in den Tank, das Calciumnitrat zuletzt. Für einen 40-Liter-Turm sind das etwa 13 + 13 + 6 g für Fruchtgemüse beziehungsweise die Hälfte davon für Salate. Die Waage ist der Startpunkt, aber der EC-Wert ist die Wahrheit — miss nach dem Anrühren nach.
NPK: Blatt ist nicht Frucht
Salat und Kräuter wollen ein N : K von etwa 1 : 1,2. Tomate, Paprika und Erdbeere wollen 1 : 2 — Kalium baut Zucker und Fruchtfestigkeit auf, während zu viel Stickstoff in der Fruchtphase eine üppige Pflanze mit wenig Ertrag ergibt. In einem vertikalen Turm teilen sich alle 32 Plätze denselben Tank, zwei Rezepturen parallel gehen also nicht. Praktisch heißt das: entweder du fährst die Blattrezeptur und akzeptierst bei Tomaten einen etwas kleineren, aber völlig korrekten Ertrag — oder du widmest den Turm eine Saison lang den Fruchtpflanzen.
